Windkraft- und Wasserstoffanwendungen

Interviews mit Expert*innen zu Logistik, Segeln und hybrid-elektrischen Antrieben
20.01.2020

Entscheidend ist unsere exzellente Vernetzung

Dr. Nils Meyer-Larsen (ISL Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik) über maritime Logistik

 

Woran forschen Sie?
Das ISL Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik wurde 1954 in Bremen gegründet. Mit der Verbindung von Tradition und moderner Wissenschaft haben wir uns seither als eines der europaweit führenden Institute für Forschung, Beratung und Know-how-Transfer in der maritimen Logistik positioniert. Unsere Kompetenzfelder sind Maritime Environment, Maritime Intelligence, Maritime Security, Maritime Transport Chains und Maritime Simulation – wir sind dabei weltweit im Einsatz.

Welche Verbesserungen bringt das (für die maritime Branche)?
In enger Zusammenarbeit mit Praktikern aus der maritimen Branche, Behörden und wissenschaftlichen Einrichtungen erforschen wir neue Konzepte, erarbeiten innovative Lösungen und beobachten Entwicklungen und Trends. Wir ermöglichen es unseren Partnern aus Seeverkehrswirtschaft und Logistik mit fundiertem Fachwissen und durch die Bereitstellung von individuell zugeschnittenen Daten, bessere Entscheidungen schneller treffen zu können und Geschäftsabläufe zu optimieren. Insgesamt sorgen wir für den Transfer von Erkenntnissen aus der wissenschaftlichen Forschung in die Praxis zu den Unternehmen und in die politische Diskussion.

Was fasziniert Sie daran?
Es ist faszinierend, wie durch enge Kooperation mit Praktikern und Kooperationspartnern immer wieder neue, innovative Konzepte und Lösungen entstehen, die die Prozesse in der maritimen Welt weiter verbessern. Auch die verbesserte Nutzung und Verknüpfung von Daten, z.B. im Rahmen unserer Simulations- und Güterverkehrsmodelle, ermöglicht uns stets neue Erkenntnisse und erweiterte Dienstleistungen.

Was wird in Ihrem Forschungsbereich wichtig in den nächsten fünf Jahren?
Entscheidend wird auch in Zukunft unsere exzellente Vernetzung sein, sowohl mit den Praktikern aus der maritimen Branche als auch mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen, um gemeinsam zukunftsweisende Konzepte und Lösungen zu entwickeln. Wir haben dabei einerseits neue Dienstleistungen im Fokus, beispielsweise Prognosen mit neuen Modellen zu Datenauswertungen, andererseits den Einsatz neuer Technologien in der maritimen Logistik im Rahmen der Digitalisierung.

Was werden Sie nie gefragt, würden Sie aber gerne mal sagen?
Als Physiker finde ich das Thema Wasserstoff und seine Anwendung im maritimen Bereich äußerst spannend. Obwohl das Themenfeld nicht neu ist, scheint jetzt die Zeit reif zu sein für mannigfaltige Einsatzgebiete von Wasserstoff-Technologien. Jetzt gilt es, die Potenziale auszuloten und, wo sinnvoll, Anwendungen möglichst zügig in die Realität zu überführen.

Wenn große Schiffe wieder den Wind als Energiequelle nutzen

Dr.-Ing. habil. Christian Jochum (ENSTA Bretagne) über Kites und starre Segel

 

Woran forschen Sie?
Wir arbeiten an Zusatzantriebsystemen für Schiffe und zwar am Einsatz von Kites und starren Segeln. Es geht um Fragen der Interaktion von Strömung und Struktur, um die Manövrierfähigkeit, die Seetüchtigkeit und die Festigkeit sowie die Entwicklung von neuen Designs und Werkstoffen.

Welche Verbesserungen bringt das (für die maritime Branche)?
Das Zusatzantriebsystem nutzt Wind als Energiequelle. Das spart Kraftstoff und reduziert dadurch Emissionen. Und wären es auch nur ein paar Prozent, so wäre das schon super für die Umwelt. Die neuen Materialien und Technologien sind viel effizienter als das herkömmliche Segelmaterial, sie bieten dadurch neue und bessere Alternativen.

Was fasziniert Sie daran?
Die ENSTA Bretagne, also die Uni, an der ich arbeite und forsche, liegt in Brest, direkt an der Küste – wir haben die Motivation direkt aus dem Meer vor Ort. Ich finde es faszinierend, wenn eines Tages große Schiffe wieder den Wind als Energiequelle nutzen. Wir sind davon überzeugt, dass wir technisch neue Produkte entwickeln können, die den Wind weit effektiver nutzen als bisher.

Was wird in Ihrem Forschungsbereich wichtig in den nächsten fünf Jahren?
Die wissenschaftlichen Stufen haben wir schon durch vier Promotionen gut aufgegriffen. Wir sind jetzt bereit in die Praxistests einzusteigen und die sind uns wirklich wichtig. Wir müssen  jetzt wissen, was funktioniert und was nicht. Die Modellierung ist ein Schwerpunkt. Aber neben dem Design, sind Praxistests zur Erhebung von Daten für eine industrielle Anwendung unbedingt notwendig. Wir haben schon erste Ergebnisse durch unsere Tests mit dem KiteLab auf einem kleinen Schiff. Nun gilt es, die Versuche auf größere Schiffe auszudehnen.

Was werden Sie nie gefragt, würden Sie aber gerne mal sagen?
Unser Fachgebiet, der Schiffbau, ist eine klassische Ingenieurswissenschaft. Auf der Basis etablierter Ansätze und Methoden gab und gibt es immer Raum für Verbesserungen, die für Außenstehende nicht immer leicht nachzuvollziehen sind.Das ist mit unseren Kites und starren Segeln etwas anderes, denn wir probieren – auf Basis des Wissens im Schiffbau – etwas völlig Neues.

ELEKTRA wird hybrid-elektrisch betrieben

Sebastian Apenbrink M.Sc. (Institut für Land- und Seeverkehr, Technische Universität Berlin) über das Projekt ELEKTRA

 

Woran forschen Sie?
Im Mittelpunkt unserer Forschung steht die Entwicklung eines emissionsfreien Energiesystems, welches am Beispiel des Binnenschubbootes ELEKTRA realisiert wird. Mittels Akkumulatoren und wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellen wird es hybrid-elektrisch betrieben und ist somit in der Lage, Transporte emissionsfrei durchzuführen.

Welche Verbesserungen bringt das (für die maritime Branche)?
Mit dem Projekt ELEKTRA wird die Marktposition der deutschen maritimen Industrie hinsichtlich ihrer technologischen Kompetenz im Bereich der emissionsfreien maritimen Elektromobilität substanziell gestärkt.

Was fasziniert Sie daran?
Faszinierend ist, dass im Projekt ELEKTRA ein echter Versuchsträger als Innovation in Form eines Binnenschubbootes entsteht, mit dem das Energiemanagement zwischen den verschiedenen Energieträgern erforscht wird und zusätzlich wichtige Erkenntnisse über das Human-Machine-Interface erzielt werden.

Was wird in Ihrem Forschungsbereich wichtig in den nächsten fünf Jahren?
Neben der Optimierung der Einzelkomponenten des emissionsfreien Energiesystems und deren Zusammenspiel sind der Ausbau der Infrastruktur für Wasserstoff- und Energietankstellen in allen Bereichen der E-Mobilität sowie eine Produktionsoffensive für grünen Wasserstoff entscheidend.

Was werden Sie nie gefragt, würden Sie aber gerne mal sagen?
Oft entsteht der Eindruck, dass als Ersatz für fossile Energieträger eine einzige Alternative für alle Bereiche gefunden werden muss. Wir sind der Auffassung, dass jeder Bereich seine Lösung finden wird und mehrere Alternativen grüner Energienutzung berechtigt nebeneinander oder miteinander entstehen werden.

 

 

 

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