Ein einfaches, dunkelblaues Lupensymbol auf einem hellgrauen Hintergrund.
Ein einfaches, dunkelblaues Lupensymbol auf einem hellgrauen Hintergrund.

Meet The Team: Helena Rapp

Europa und maritime Praxis: das passt hervorragend zusammen, findet Helena Rapp. Als Referentin für europäische Initiativen und Förderprogramme macht sie europäische Werkzeuge verständlich und nutzbar. Im Interview erzählt sie von Aha-Momenten in der europäischen Zusammenarbeit und vom Potenzial interdisziplinärer Projekte.
10.12.2025
Eine Person mit heller Haut, rötlichem Haar und Brille lächelt, trägt ein weißes Hemd und einen dunklen Blazer vor einem unscharfen grünen Hintergrund im Freien.

Frau Rapp, was sind eigentlich “europäische Initiativen und Förderprogramme” und warum sind sie so wichtig?

Die deutsche maritime Branche ist auf verschiedensten Ebenen europäisch eingebunden. Für alle Akteure und Stakeholder ist europäischer Austausch deshalb essenziell. Und genau das versuchen europäische Initiativen und Förderprogramme zusammenzufassen: Sie binden die deutsche maritime Branche in den europäischen Kontext ein.

Die Initiativen und Programme haben unmittelbare Auswirkungen auf Europa, und auch Anforderungen an die Weiterentwicklung der Branche – insbesondere, wenn wir ein Europa betrachten, das bis 2050 klimaneutral sein will. Die Branche muss sich transformieren, was Kraftstoffe und viele weitere Aspekte angeht. Hier lässt Europa die Länder und die Unternehmen nicht allein, sondern stellt Förderprogramme bereit, die entsprechende Bemühungen unterstützen – damit Innovationen, die notwendig sind, um politische Ziele zu erreichen, durchgeführt werden und Anwendung finden.

Können Sie zusammenfassen, was Ihre tagtägliche Arbeit beinhaltet?

Ein wichtiger Bestandteil meiner Tätigkeit ist auf europäischer Ebene die Arbeit rund um Waterborne, eine industrieorientierte Plattform, in der das DMZ als Mitglied vertreten ist. Im Rahmen einer ko-programmierten Partnerschaft am Förderprogramm Horizon Europe, der “Zero Emission Waterborne Transport”, erarbeiten wir in der Plattform gemeinsam mit der europäischen Kommission Förderprogramme für die maritime Branche – von der Themenfindung über die Ausgestaltung bis hin zur technischen Vorausschau in die Zukunft der Branche.

Außerdem betreue ich fortlaufend das DMZ-Tool „Maritimer Förderkompass“, das europäische Förderprogramme und -aufrufe übersichtlich darstellt. Diese Informationsplattform wird konstant mit Inhalten gefüllt. Das bedeutet nicht nur die Dateneingabe, sondern zum Beispiel auch das Wissen darüber, welche Programme wann und wie erscheinen, welche Bereiche sie betreffen und so weiter. Gleichzeitig werten wir die deutsche Beteiligung an den Förderprogrammen aus.

 

Sie kommen ursprünglich nicht aus der maritimen Branche?

Ich bin von Haus aus Geografin und habe ursprünglich in Mainz Humangeografie studiert. Dort war ich dann lange als wissenschaftliche Mitarbeiterin in verschiedenen Forschungsprojekten und in der Lehre tätig. Zwischenzeitlich war ich als Projektleiterin an dem vom Europäischen Sozialfonds geförderten Projekt „Ada Lovelace“ beteiligt, das sich auf die Begleitung und Förderung weiblicher MINT-Studierender fokussiert. Dabei habe ich die Begeisterung für europäische Projektarbeit für mich festgestellt. Es ist toll, wenn von Seiten der EU, aber auch von Seiten der EU- oder Bundesländer Gelder bereitgestellt werden, um große Projekte zu fördern, die einen Mehrwert für die Gesellschaft haben.

In diesem Projekt hatte ich also schon Berührungen mit europäischen Themen und meinem heutigen Arbeitsbereich. Ein erster Kontaktpunkt mit der maritimen Branche war ein Forschungsprojekt zum Thema Kreuzfahrttourismus, in dem wir untersucht haben, weshalb Kreuzfahrten so beliebt sind. Inhaltlich ging es hier nicht ausschließlich um das Empfinden der Kreuzfahrt-Gäste, sondern über das Touristische hinaus auch um Hafensysteme, Routenplanung und Logistik – da habe ich die maritime Branche auch schon ein wenig kennengelernt.

 

Warum sind Kreuzfahrten denn so beliebt?

Da kommen viele Gründe zusammen. Vor allem ist ein Kreuzfahrtschiff eine Destination für sich. Auf kleinstem Raum bekommt man alles geboten, was man braucht, und mehr. Gleichzeitig ziehen Orte und Landschaften an einem vorbei. Und vieles hat auch mit der medialen Darstellung von Kreuzfahrten zu tun. Da muss man nur mal an das „Traumschiff“ denken. Die Menschen möchten sich fühlen wie im Film.

 

Wie haben die ersten maritimen Kontaktpunkte dann zum Start im DMZ geführt?

Nach vielen spannenden Jahren in der Wissenschaft stand ich vor der Frage, ob ich in der Forschung bleiben möchte oder nicht. Ich habe entschieden, dass ich noch etwas anderes machen möchte, außerhalb der Universität. Ich habe meine Leidenschaften und Interessen noch einmal ganz neu betrachtet und das Thema EU war dabei sehr wichtig für mich. Ich arbeite gern international und interdisziplinär – ich habe das Gefühl, aus interdisziplinärer Arbeit kann man ganz viel herausziehen. Mir wurde immer klarer: Ich möchte mit europäischen Initiativen und Fördermitteln zu tun haben. Ich habe mich dann gar nicht explizit in der maritimen Branche umgeschaut. Im Fokus stand für mich der EU-Bezug – aber die Stelle im DMZ passte da perfekt und klang auf Anhieb spannend.

Ich finde in meiner jetzigen Arbeit ganz viele Aspekte aus meiner bisherigen Laufbahn wieder, nicht nur europäische Themen, sondern zum Beispiel auch die Geografie – die beschäftigt sich ja beispielsweise mit Gewässern und mit dem Umgang der Menschen mit dem Meer.

 

Wie erleben Sie die Zusammenarbeit der maritimen Branche auf europäischer Ebene? Was sind Chancen und Herausforderungen?

Das Großartige an der Zusammenarbeit auf europäischer Ebene ist das Kennenlernen der verschiedenen Akteure aus anderen europäischen Ländern. Alle verbindet das Interesse, die maritime Branche voranzubringen und zu transformieren. Da sind unglaublich innovative Leute dabei, die tolle Ideen haben. Ich habe immer wieder richtige „Aha-Momente“ und hätte über bestimmte Sichtweisen vielleicht nie nachgedacht. Viele Ideen kann ich dann auch mit ins DMZ bringen. Das finde ich wirklich wahnsinnig bereichernd an dieser Arbeit.

Auf der anderen Seite ist natürlich spürbar, dass alle ihre eigene Agenda und eigene Interessen haben. Gerade bei Waterborne sind die agierenden Gruppen sehr unterschiedlich. Industrieunternehmen, Forschungsinstitute, Verbände etc. kommen natürlich mit unterschiedlichen Vorstellungen und Perspektiven zusammen. Das macht die Zusammenarbeit sehr umfänglich, aber eben auch spannend. Man muss immer wieder auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

 

Können Sie ein Beispiel nennen für so einen „Aha-Moment“?

Durch meinen Hintergrund in der Forschung nehme ich manchmal unbewusst eher die Perspektive einer Forschungsinstitution ein. Die Sicht von Industrieunternehmen aus der Branche ist deshalb immer wieder bereichernd, denn für sie sind oft ganz andere Aspekte relevant: Wie viele Arbeitskräfte müssen für ein Forschungsprojekt zur Verfügung stehen? Wie viel Aufwand bedeutet der Forschungsantrag? Wie werden Zusatzstunden geregelt? Solche Blickwinkel waren für mich sehr augenöffnend. Wenn man auch diese Perspektive betrachtet, kann man Prozesse rund um Forschung für alle Beteiligten optimieren.

 

Finden Sie, dass die Rolle der maritimen Branche auf europäischer Ebene groß genug ist?

Die maritime Branche spielt innerhalb der EU-Politik schon eine große Rolle. Luft nach oben ist natürlich immer – man muss sich schließlich neue Ziele setzen können. Ich finde aber schon, dass die maritime Branche ein großes Thema in der EU ist. Es wird beispielweise gerade die Europäische Maritime Industriestrategie ausgearbeitet, ebenso wie eine Europäische Hafenstrategie. Politisch bewegt sich da so einiges. Klar, wer klimaneutral und wettbewerbsfähig sein möchte, muss etwas für die entsprechenden Akteure in Europa tun.

 

Welche Veränderung würden Sie sich in Ihrem Fachbereich wünschen?

Ich würde mir eine pragmatischere Herangehensweise an Probleme und Herausforderungen wünschen. Manchmal wäre es gut, persönliche oder nationale Interessen hintenanzustellen, um direkt auf den allgemeinen Nutzen einer Maßnahme zu blicken. Eine pragmatischere Herangehensweise wünsche ich mir aber nicht nur auf EU-Ebene, sondern auch für die deutsche Politik und darüber hinaus auch generell für die maritime Branche.

Interview-Teaser

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