Maritime Wasserstoffanwender – Studie zum Wasserstoffbedarf der maritimen Branche Deutschlands

Maritime Branche kann Energiewende gestalten und Standort Deutschland stärken.
25.07.2023
Kapt. Runa Jörgens

Kapt. Runa Jörgens

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Gunther Zeitzmann

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Wissenschaftlicher Mitarbeiter Vorschriften und Standards

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Der Einsatz von klimafreundlich erzeugtem Wasserstoff und seiner Derivate (Methanol, Ammoniak, e-Flüssigerdgas und e-Diesel.) wird notwendig werden um die nationalen [1] aber auch internationalen [2] Klimaziele zu erreichen.

Neben erneuerbarem Strom werden Wasserstoff und wasserstoffbasierte Kraftstoffe mittelfristig die meistgenutzten Energieträger sein. Der Einsatz dieser Alternativen zu fossilen Brennstoffen ist aus ökologischer Sicht sinnvoll. Wer frühzeitig die notwendige Infrastruktur für Wasserstoff schafft, gewinnt hier einen Wettbewerbsvorteil. Darüber wird in Industrie und Politik intensiv diskutiert. Erste Projekte sind bereits geplant und gestartet. [3]

Es ist unbestritten, dass der maritimen Branche als Transportmittel (Schiffe) und Distributor (Häfen) eine besondere Rolle bei der Versorgung Deutschlands mit Wasserstoff und wasserstoffbasierten Energieträgern zukommt. [4] Sie trägt dabei nicht nur zur maritimen, sondern zur nationalen, Souveränität bei.

In der Diskussion wird jedoch oftmals vergessen, dass auch die maritime Branche in Deutschland Kraftstoffe subsituieren will. Sie wird also voraussichtlich ebenfalls Nutzerin von Wasserstoff (bzw. seinen Derivaten) sein. Dafür ist es notwendig zu wissen, welche Wasserstofftechnologien im maritimen Bereich zum Einsatz kommen sollen und welche Mengen von Wasserstoff bzw. wasserstoffbasierten Energieträgern vermutlich benötigt werden.

Studie

Um diesen Bedarf zu ermitteln hat das Deutsche Maritime Zentrum die Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH beauftragt in einer Studie zu erheben, welche Wasserstofftechnologien in der maritimen Branche zum Einsatz kommen sollen. Zugleich soll eine Einschätzung vorgenommen werden, welche Mengen kurz-, mittel- und langfristig benötigt werden.

In der Studie wurde eine Übersicht von Anwendungsfällen nach Teilbranchen (Schifffahrt, Häfen, Schiffbau und Zulieferer, Meerestechnik) erstellt und abgeschätzt welche Mengen an Wasserstoff jeweils gebraucht werden.

Die Erhebung nennt den für die maritime Branche erforderlichen Anteil an Wasserstoff und trägt so dazu bei, die notwendigen Bedarfe an Wasserstoff (und seinen Derivaten) für die deutsche Wirtschaft noch besser abschätzen zu können.

Anders als bisher wird die maritime Branche nicht auf einen gesonderten Energieträger (Schweröl) setzen. Insbesondere die Seeschifffahrt wird zukünftig bei der Verteilung des Wasserstoffs bzw. seiner Derivate zur Mittbewerberin/Konkurrentin der anderen Nutzer, also der anderen Industriezweige und Verkehrsträger, werden.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die maritime Branche Deutschlands langfristig einen Bedarf von mehr als 3,5 Mio. Tonnen an Wasserstoff bzw. wasserstoffbasierten Kraftstoffen pro Jahr hat.

Der Bedarf wird nicht ausschließlich in Deutschland anfallen. Die deutsche Handelsflotte [5] wird ihren Bedarf abhängig vom Fahrtgebiet des jeweiligen Schiffes international decken müssen. Dasselbe gilt aber auch für die internationale Handelsflotte (die in deutschen Häfen bunkern möchte). Die Hochrechnung kann daher hilfreich sein, um kalkulieren zu können, welche Bunkerbestände an Wasserstoff und wasserstoffbasierten Kraftstoffen ggf. in deutschen Seehäfen vorgehalten werden müssen.

Wie eingangs erwähnt, werden große Mengen des Wasserstoffs bzw. der wasserstoffbasierten Kraftstoffe mit Schiffen über deutsche Häfen nach Deutschland gelangen. Damit eine Bunkerinfrastruktur für wasserstoffbasierte Kraftstoffe aufgebaut werden kann, müssen die deutschen Häfen sich als Energie-Hubs für Wasserstoff und wasserstoffbasierte Kraftstoffe weiter etablieren. Eine Side-Effekt wird vermutlich die Umstellung der Hafenumschlagsgeräte auf wasserstoffbasierte Kraftstoffe sein.

Ausblick

Die maritime Branche wird eine neue und zentrale Rolle im Energiemarkt einnehmen, sie ist Nutzerin und Distributorin des Wasserstoffs und der wasserstoffbasierten Kraftstoffe. Ohne sie wird die Energiewende in Deutschland nicht funktionieren.

International kann die deutsche maritime Branche durch ihre Innovationskraft insbesondere bei der maritimen Zulieferindustrie eine Wegbereiterin sein.  Deutsche Zulieferer haben es in Hand bei der Entwicklung klimaneutraler Antriebe ihre Position weiter auszubauen. Die Exportquote der deutschen Zulieferindustrie liegt bei über 75%. [6] Die wichtigsten ausländischen Absatzmärkte sind die EU, gefolgt von China, Nordamerika und Südkorea. [7] Ein weiterer Hebel ist die deutsche Handelsflotte, die mit ca. 1700 Schiffen die fünftgrößte der Welt ist [8], und auf klimaneutrale Antriebe umgestellt werden wird.

Um die Chancen nutzen zu können, die in der Umstellung der Schifffahrt auf klimaneutrale Antriebe und dem Ausbau der deutschen Häfen als Energie-Hubs liegen, bedarf es einer gemeinsamen Strategie aller maritime Stakeholder. Eine solche Strategie und eine darüberhinausgehende Abstimmung mit weiteren Branchen und Sektoren bietet das Potenzial für die maritime Branche die treibende Kraft für die Substitution und Distribution von alternativen Energien zu werden.

Das Deutsche Maritime Zentrum als Bindeglied zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung steht gern zur Verfügung diesen Prozess zu begleiten.

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