Ein einfaches, dunkelblaues Lupensymbol auf einem hellgrauen Hintergrund.
Ein einfaches, dunkelblaues Lupensymbol auf einem hellgrauen Hintergrund.

Meet The Team: Henning Martin

Unser "Projektmanager für Kurzstreckenseeverkehr" Henning Martin hält für das DMZ die Logistik in regionalen Gewässern im Blick. Was ihn daran begeistert und was ein Seemannsheim mit seinem maritimen Werdegang zu tun hat, berichtet er im Gespräch.
29.09.2025
Ein Mann mit kurzem, hellbraunem Haar und gestutztem Bart, der ein hellblaues Hemd und einen dunklen Blazer trägt, steht vor einem unscharfen Hintergrund im Freien mit grünem Laub.

Herr Martin, womit beschäftigen Sie sich als Projektmanager für Kurzstreckenseeverkehr beim DMZ?

Im Mittelpunkt des Projekts „Förderung des Kurzstreckenseeverkehrs“ steht die Entwicklung einer Strategie zur Verlagerung von Verkehr von der Straße auf das Wasser. Ich befasse mich mit Verkehr auf regionalen Gewässern und erarbeite Vorschläge für effiziente Logistikprozesse. 

Das Projekt ist zeitlich auf drei Jahre angesetzt und befindet sich gerade noch in der Startphase. Es bleibt also noch viel zu tun.

Warum ist die Verlagerung des Verkehrs von Straßen aufs Wasser gerade jetzt relevant?

Das Thema ist schon seit dem Ende der 90er Jahre auf Basis einer EU-Initiative aktuell. Es gibt also schon lange Bestrebungen, mehr Güterverkehr  auf die Wasserwege zu verlagern. Und zwar aus dem einfachen Hauptgrund, dass das Wasser zusammen mit der Schiene ein deutlich nachhaltigerer Verkehrsträger ist. Durch den Transport auf dem Wasser werden große Mengen an CO₂ eingespart, und auch die Straßeninfrastruktur wird geschont. Außerdem trägt ein starker Kurzstreckenseeverkehr insgesamt zur Effizienz in der Transportlogistik bei.

 

Haben Sie beruflich einen maritimen Hintergrund?

Das kann man so sagen, aber noch lange bevor meine maritime berufliche Laufbahn begann, bin ich schon früh mit dem Thema Schifffahrt in Kontakt gekommen. Mein Großvater hat in Emden ein Seemannsheim geleitet, und in meiner Kindheit habe ich dort sehr viel Zeit verbracht. Für viele Bewohner war das Seemannsheim ein Familienersatz, und ich habe erlebt, wie der Alltag in einer solchen Einrichtung abläuft. Ich wurde immer wieder mal mit auf Schiffe genommen, verbrachte Zeit mit Menschen aus der Seefahrt und habe auch öfter mit Seeleuten Billard gespielt.

Das war eine spannende Zeit, und so habe ich die Schifffahrt quasi ganz früh aus einer sozialen Perspektive kennengelernt. Auch durch diese frühen Eindrücke ist die Schifffahrt dann tatsächlich mein beruflicher „roter Faden“ geworden.

 

Selbst zur See fahren wollten Sie aber nicht?

Ehrlich gesagt hat mir gerade die Zeit im Seemannsheim gezeigt, dass ich auf keinen Fall selbst zur See fahren möchte. Ich habe gesehen, wie herausfordernd der Beruf ist, und dass ein normales Leben, wie ich es mir vorstelle, nur schwer möglich ist. Die Familie lange nicht sehen, die Entfernung zur Heimat – das muss man schon wollen. Für einige macht gerade das den Reiz aus, ich wusste aber, dass ich das für mich nicht möchte.

Aber den Grundstein für mein Interesse hat diese Zeit trotzdem gelegt, und ich habe mir das Thema Schifffahrt beruflich bewahrt.

 

Welchen Weg haben Sie stattdessen eingeschlagen?

Ich habe mich zunächst für einen kaufmännischen Hintergrund und ein BWL-Studium entschieden und habe danach bei der Hamburger Reederei Rickmers angefangen. Während einiger Jahre in der Branche habe ich viele Veränderungen miterlebt, eben auch, dass viele Unternehmen es nicht leicht hatten und es der Branche insgesamt phasenweise nicht gut ging.

Nebenberuflich habe ich mich mit einem Master-Studiengang zum Thema Logistikmanagement dann noch etwas breiter aufgestellt. Ich wollte die Logistik etwas umfassender begreifen und den Blick über die Schifffahrt hinaus weiten. Ich denke, hier im DMZ hilft mir dieser Blick für das Projekt.

 

Sie sind erst seit kurzem im DMZ dabei – wie haben Sie Ihren Einstieg erlebt?

Es stand erstmal sehr viel Einarbeiten in die Inhalte des Projektes auf dem Programm, sehr viel Lesen und Informieren. Ich bin aber schnell im Thema angekommen, da mir die Schifffahrt nicht fremd ist. Meine Kenntnisse kann ich hier jetzt mit neuen Aspekten anreichern. Außerdem ist das Team super nett und hat mir das Ankommen erleichtert.

 

Was sind die konkreten Ziele des Projekts Kurzstreckenseeverkehr?

Das übergeordnete Ziel des Projekts ist die Definition einer sogenannten Shortsea-Strategie als Teil des nationalen Hafen-Entwicklungsplans. Das heißt, es sollen konkrete Handlungsmaßnahmen festgelegt werden, um den Kurzstreckenseeverkehr zu stärken. Eine Herausforderung dabei ist, Ziele zu definieren, die realistisch auch erreicht werden können. Dabei analysiere ich zum Beispiel, wie viel Prozent des Verkehrs tatsächlich verlagert werden können, oder was das Potenzial der Binnenschifffahrt dabei ist. Die gesteckten Ziele müssen natürlich auch mit diversen Stakeholdern abgestimmt werden. Wie gesagt, das Projekt steckt noch in der Anfangsphase und ich bin gespannt, was sich daraus noch konkret ergibt.

 

Was begeistert Sie persönlich für das Projekt?

Ich finde es spannend, in dem Dreieck aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft zu arbeiten. Da kommen für mich nochmal ganz andere Aspekte hinzu, da ich die Schifffahrt bisher vor allem aus wirtschaftlicher Sicht kennengelernt habe. Mich interessiert es, eine beratende Position für die Politik und Verwaltung einzunehmen, damit insgesamt gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen vorherrschen. Deshalb ist es spannend, eine Strategie für den Kurzstreckenseeverkehr zu formulieren und hier auch mit den vielen verschiedenen Entscheidungsträgern in Kontakt zu kommen.

 

Gibt es ein Erlebnis aus Ihrer bisherigen Zeit im DMZ, das Ihnen in Erinnerung bleibt?

Direkt zu Beginn meiner Zeit im DMZ war ich auf der transport logistic in München dabei, wo das DMZ eine Paneldiskussion ausrichtete. Hier fand ich es sehr erfrischend zu sehen, dass Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft scheinbar am gleichen Strang ziehen und der Wille für gemeinsame Vorhaben da ist – es braucht nur geeignete Maßnahmen zur Umsetzung. Ich denke, dass wir deshalb mit dem Projekt spannende und wichtige Arbeit leisten können.

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