Ein einfaches, dunkelblaues Lupensymbol auf einem hellgrauen Hintergrund.
Ein einfaches, dunkelblaues Lupensymbol auf einem hellgrauen Hintergrund.

Meet The Team: Kapt. Irene Rüpke

Als frühere Frachtschiff-Kapitänin bringt unsere Referentin für Schifffahrt, Irene Rüpke, wertvolle Praxiserfahrung und analytische Tiefe mit ins DMZ. Im Interview erzählt sie, wie sie sich in Themen wie KI, Regulatorik oder Nachwuchsförderung vertieft und warum ihr die Vielfalt maritimer Karrieren am Herzen liegt.
12.11.2025
Eine Person mit heller Haut, rötlichem Haar und Brille lächelt, trägt ein weißes Hemd und einen dunklen Blazer vor einem unscharfen grünen Hintergrund im Freien.

Frau Rüpke, wie sieht Ihr Arbeitsalltag als Referentin für Schifffahrt im DMZ aus?

Wie das gesamte Team behalte ich aktuelle Themen in meinem Arbeitsbereich im Blick. In meiner Position und aufgrund meiner Erfahrung auf See ist für mich natürlich alles rund ums Schiff besonders spannend. Konkret geht es im Arbeitsalltag dann um verschiedenste Projekte rund um aktuelle Inhalte. Bei mir stehen gerade Digitalisierung und KI besonders im Mittelpunkt. Darunter fällt auch die autonome Schifffahrt – hier verschaffe ich mir zum Beispiel einen Überblick zu existierenden Forschungsprojekten und erarbeite, was wir zu dem Thema anstoßen können, oder auf welchen Veranstaltungen wir uns beteiligen.

Wie wird das Thema KI die Schifffahrt in den nächsten Jahren verändern?

Sprachmodelle wie ChatGPT sind ja schon ziemlich verbreitet im Alltag. Ich kann mir vorstellen, dass solche Modelle an Bord unverzichtbar werden – zum Übersetzen, für Berichte, um sich über Handbücher und Vorschriften zu informieren und vieles mehr. Auch die Navigation ist ein Bereich, in dem gerade sehr viel geforscht wird, um die Schiffe selbst intelligenter zu machen. Sicherlich ist momentan vieles in der Testphase und man darf gespannt sein, was sich in den nächsten Jahren tut.

 

Sie sprachen Ihre „Erfahrung auf See“ an. Was meinen Sie genau?

Ich bin selbst knapp fünf Jahre zur See gefahren, zunächst als Offizierin und zuletzt als Frachtschiff-Kapitänin auf Nord- und Ostsee. Das heißt, ich war auf Küstenmotorschiffen unterwegs, mit denen zum Beispiel Schüttgut transportiert wurde.

 

Wollten Sie schon immer Kapitänin werden?

Noch nicht immer, ich komme eigentlich aus dem Binnenland und hatte in der Kindheit keinen Kontakt zur maritimen Welt. Als Jugendliche bin ich über das Segeln in den Ferien zum ersten Mal mit maritimen Themen in Berührung gekommen. Das hat mich gepackt, und über die Zeit habe ich Kontakte geknüpft und verschiedene Bereiche kennengelernt. Und irgendwann hat sich der Wunsch verfestigt, auch beruflich diese Richtung einzuschlagen. Also habe ich mich bei einer Reederei für die Ausbildung als Nautische Offiziersassistentin beworben und habe dort schnell gemerkt, dass es in dieser Richtung für mich weitergehen soll. Ich habe dann in Elsfleth Nautik studiert – und direkt im Anschluss ging es für mich selbst auf See. 

Meinen Master in „International Maritime Management“ habe ich parallel zu meiner Zeit auf See gemacht – das war während der Pandemie eine super Beschäftigung für die Urlaubsphasen. Im Master habe ich gemerkt, dass ich gern länger an einzelnen Themen dranbleibe und tiefer einsteige, als es normalerweise im Bordalltag möglich ist. So bin ich dann auf das DMZ aufmerksam geworden und dachte direkt, das könnte spannend sein für mich. 

 

Können Sie Ihre Erfahrung von Bord im DMZ nutzen?

Hier im DMZ kann ich Inhalte ganz anders vertiefen. Das DMZ schaut viel breiter auf Themen, während ich im Bordalltag eher mit der Anwendung von Inhalten beschäftigt war. Jetzt lerne ich noch viel mehr über die Hintergründe bestimmter Themen und treffe Menschen, die zum Beispiel hinter Regularien stecken, etwa in verschiedenen Ausschüssen. 

Den umfassenden Blick des DMZ finde ich sehr spannend und ich genieße es, mich zum Beispiel intensiver mit der Regulatorik für bestimmte Aspekte oder mit ganz aktuellen Fragen zur Künstlichen Intelligenz auseinanderzusetzen.

 

Welchen Bereich bearbeiten Sie im Moment besonders intensiv?

Wie gesagt ist KI aktuell ein Schwerpunktthema. Daneben beschäftigen mich im Moment unsere Präsenzen auf verschiedenen Messen. Im nächsten Jahr sind wir auf der Singapore Maritime Week und der IdeenExpo vertreten, und der Planungsaufwand für solche Veranstaltungen ist hoch. Aber es lohnt sich, denn auf den Messen trifft man viele spannende Menschen und lernt neue Themen kennen. Solche Events, oder auch Konferenzen, machen mir besonders viel Spaß.

 

In diesem Jahr waren Sie selbst in Singapur auf der Singapore Maritime Week dabei?

Genau, im Frühjahr haben wir auf der SMW einen deutschen Gemeinschaftsstand organisiert. Das war für das DMZ der erste Auftritt auf einer Messe außerhalb Deutschlands, deswegen waren Aufbau und Organisation hier besonders spannend – und wir trafen auf ein buntes internationales Publikum. Das war super für den Austausch und neuen Input.  

Insgesamt sind die Messen immer sehr unterschiedlich. Auf der IdeenExpo haben wir zum Beispiel primär mit jungen Menschen zu tun und dürfen ihnen maritime Berufswege näherbringen. Ein weiteres Thema, das ich wichtig und spannend finde.

 

Welche Kontaktpunkte haben Sie in Ihrer Arbeit noch mit dem Thema Nachwuchs?

Aktuell stecken wir mitten in der Planung für die IdeenExpo 2026. Abgesehen davon habe ich hin und wieder die Möglichkeit, Kindern und Jugendlichen im Rahmen von Veranstaltungen zur Berufsorientierung ganz konkret von meinen Erfahrungen in der Seefahrt zu berichten. Sowohl jüngere Kinder als auch Schüler*innen kurz vor dem Abschluss finden maritime Themen total spannend, wenn man ihnen davon berichtet – ich denke, dass wir hier wertvolle Arbeit leisten können, um auf maritime Karrieren aufmerksam zu machen.

 

Wenn Sie sich eine Veränderung in Ihrem Fachbereich wünschen könnten, welche wäre das?

Ich denke, mehr Aufmerksamkeit würde nicht nur meinem Fachbereich, sondern der maritimen Branche allgemein guttun, um mehr Innovationen zu schaffen. Selbst hier in Hamburg: Wenn ich Leute treffe, bin ich häufig die erste Seefahrerin, die sie kennenlernen, oder die erste, die etwas mit Hafen zu tun hat. Sie stellen dann immer viele spannende Fragen, weil vielen gar nicht bewusst ist, dass Seeleute Wochen oder Monate unterwegs sind, dass fast jeder Gegenstand, den sie zuhause haben, schonmal auf einem Schiff war, und welche Prozesse und Menschen hinter dieser Logistik stecken. Ich finde, dass die gesamte Branche noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte – aber auch das ist natürlich auch ein Ziel unserer Arbeit.

Interview-Teaser

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