Ein einfaches, dunkelblaues Lupensymbol auf einem hellgrauen Hintergrund.
Ein einfaches, dunkelblaues Lupensymbol auf einem hellgrauen Hintergrund.

Meet The Team: Kapt. Runa Hornig Jörgens

Mit vielen Jahren praktischer Erfahrung auf See ist Kapt. Runa Hornig Jörgens alles andere als eine Landratte. Warum ihre Rolle als "Leiterin Themen und Projekte" im DMZ für sie der ideale Anschluss an ihre Zeit auf See ist, und wie sie ihre Expertise auch mit juristischen Kenntnissen ergänzt, erzählt sie im Interview.
16.10.2025
Eine Person mit heller Haut, rötlichem Haar und Brille lächelt, trägt ein weißes Hemd und einen dunklen Blazer vor einem unscharfen grünen Hintergrund im Freien.

Frau Hornig Jörgens, was sind Ihre Aufgaben als „Leiterin Themen und Projekte“ im DMZ?

Als Thinktank bearbeitet das DMZ relevante Themen in der maritimen Branche mit einem sehr holistischen Ansatz. Was sind die Kraftstoffe der Zukunft? Welche Mengen brauchen wir? Woher kommt der Nachwuchs? Wie wird kritische maritime Infrastruktur geschützt? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich unser Team aus wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und Referent*innen. Als Leiterin Themen und Projekte unterstütze ich die Kolleg*innen dabei, ihre Projekte in die Praxis umzusetzen. Ich helfe ihnen, Schwerpunkte zu setzen und die Arbeit in die Gesamtstrategie des DMZ einzufügen.

Außerdem geht es in Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung um die übergeordnete strategische und inhaltliche Ausrichtung des DMZ. Wir beschäftigen uns damit, welche Projekte wir in welchem Zeitraum bearbeiten, was aktuell wichtig ist und so weiter. Nebenbei arbeite ich auch noch an eigenen Projekten, aber einen Großteil meines Alltags macht die Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen zu ihren Projekten aus.

Unter welchen Prämissen werden übergeordnete Entscheidungen für das DMZ getroffen?

Da wir ein Verein sind, wird die Ausrichtung durch den Vorstand und die Mitglieder festgelegt. Und wir haben einen Arbeitsplan, nach dem wir uns richten. Innerhalb dieses Rahmens legen wir fest, welche Projekte im Fokus stehen.

Übergeordnete Entscheidungen treffe ich also nicht selbst. Stattdessen bin ich für die inhaltliche Umsetzung des Arbeitsplans verantwortlich – und da schaue ich ganz genau hin. Wann arbeiten wir mit Dienstleister*innen zusammen, was können wir selbst? Wie passt das zu einem anderen Projekt? In welche Richtung haben wir noch gar nicht gedacht? Wo müssen wir genauer hingucken? Solche Fragen stelle ich mir konkret, und daraus ergeben sich meine Aufgaben.

 

Gibt es einen typischen Arbeitstag?

Nein, den gibt es tatsächlich nicht. Jeder Tag ist anders, es passiert immer etwas Neues. Typisch ist aber, dass meine Tür immer offensteht und ich für alle da bin. Ich steige auch mal ganz tief in ein Projekt mit ein und kann auf meine langjährige Erfahrung in der Branche und viele Kontakte zurückgreifen – und auch im DMZ selbst bin ich aus dem Team schon am längsten dabei.

Ich schaue also einfach immer, was der Tag bringt, und versuche gleichzeitig, auch in größeren Schritten zu denken: Wo wollen wir in einem Jahr stehen, oder bei einem Projekt in einigen Monaten?

 

Was genau bedeutet es, wenn Sie sagen, Sie sind am längsten dabei im DMZ?

Ich kenne das DMZ seit seiner Entstehung. Konkret dabei bin ich seit 2019, damals noch als Referentin für Schifffahrt. Seit 2022 bin ich Leiterin Themen und Projekte.

 

Sie haben nicht immer im Büro gearbeitet, denn lange waren Schiffe Ihr Arbeitsplatz. Können Sie uns einen Umriss Ihrer maritimen Laufbahn geben?

Ich bin mit 16 zum ersten Mal zur See gefahren, mit dem Ferienfahrprogramm des Verbands Deutscher Reeder. Dabei habe ich Blut geleckt, wie man so schön sagt, und mir war schnell klar, dass ich diesen Weg beruflich verfolgen möchte. Ich habe Nautik studiert und habe das Befähigungszeugnis zur Kapitänin ausgefahren. Nach der Seefahrtskarriere habe ich Jura studiert und nebenbei in einer großen Hamburger Reederei gearbeitet. Anschließend war ich noch eine Weile in Vollzeit beim Verband Deutscher Reeder beschäftigt, und seit 2019 bin ich hier im DMZ dabei.

Und das DMZ ist für mich wirklich eine Art Zusammenschluss: Ich kenne die Seeseite der Schifffahrt, ich kenne die Landseite, ich kenne die Arbeitgebervertretung. Für mich schließt sich hier der Kreis, weil auch das DMZ ganz ganzheitlich auf die maritime Branche schaut und darauf, wie die einzelnen Teilbereiche ineinandergreifen.

 

Sie waren die erste Nautische Offizierin auf Container-Schiffen in der weltweiten Fahrt bei der Reederei Hermann Buss?

Genau, ich bin tatsächlich weltweit auf Containerschiffen zur See gefahren. Ich hatte ein Stammschiff, das zwischen Nordamerika, Südamerika, dem Mittelmeer und Nordeuropa gefahren ist. Eine Reise hat ungefähr zehn Wochen gedauert, und zwei Reisen haben einen Einsatz ausgemacht, sodass man immer nach knapp fünf Monaten wieder zu Hause war und dann zwei Monate Urlaub hatte.

 

Gibt es etwas, was Sie am Bordalltag vermissen?

Manchmal vermisse ich die Stille mitten auf dem Ozean. Wenn wir über den Atlantik gefahren sind und kein anderes Schiff zu sehen war, hat man nur noch den Schiffsmotor und die Wellen gehört – ansonsten nichts. Das fehlt mir schon manchmal.

Außerdem war es besonders, nicht mit dieser ständigen Informationsflut konfrontiert zu sein. Heute weiß ich dank Internet alles innerhalb von Sekunden, an Bord war das nicht so. Bis auf wirklich Wichtiges hat man von vielen Kleinigkeiten einfach mal eine Weile nichts mitbekommen. Das konnte einen dann entsprechend auch nicht belasten.

Ich bin aber trotzdem zufrieden damit, inzwischen nicht mehr zur See zu fahren und jetzt hier im DMZ zu sein. Ich denke, dass das für mich die richtigen Entscheidungen waren. Ich würde auch immer jedem empfehlen, auf das eigene Gefühl zu hören und Entscheidungen entsprechend zu treffen.

 

Wie helfen Ihnen die Erfahrungen und Kontakte aus der Schifffahrt jetzt im DMZ?

Ich denke, es hilft mir enorm weiter, auch eine praktische Sichtweise auf Inhalte zu haben. Ich sehe mich hier manchmal ein bisschen als „Übersetzerin“. Ich kann zum Beispiel jemandem, der die Regulatorik macht, tatsächlich die praktische Seite erklären und umgekehrt kann ich Praktiker*innen die Regulatorik nahebringen. Und Gleiches gilt vielleicht für die Sichtweisen einer Reederei und denjenigen, die tatsächlich zur See fahren.

Das ist hilfreich, um eine gewisse Akzeptanz zu haben und auch bestimmte Argumentationsschienen antizipieren zu können. Das sorgt für gegenseitiges Verständnis und macht es einfacher, aufeinander zuzugehen. Für unsere Arbeit ist es nun mal essenziell, dass wir alle miteinander sprechen.

 

Welchen Tipp würden Sie als erfahrene Seefahrerin und maritime Expertin jungen Menschen (Landratten) geben, die in der maritimen Branche Fuß fassen wollen?

Ganz konkret sind sicherlich Adressen wie die maritimen Verbände, Arbeitsagenturen, die Bildungsstelle Seeschifffahrt, oder die Handels- und Handwerkskammern gute Anhaltspunkte für erste Informationen und Beratungen, wenn man sich in der Branche umschauen möchte.

Auf jeden Fall würde ich jungen Menschen raten, einfach in die Branche reinzuschnuppern und zu gucken, was zu einem passt und was nicht. Manchmal muss man vielleicht etwas hartnäckiger sein, und man sollte sich auch nicht durch blöde Sprüche, die es wohl in jeder Branche mal gibt, abschrecken lassen. Grundsätzlich lohnt es sich, an einem Traum wirklich dranzubleiben und Wege zu finden, wie man ihn in die Tat umsetzen kann.

Interview-Teaser

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