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Das DMZ bei der 12. Sitzung des IMO-Unterausschusses HTW

Vom 22. bis 27. Februar 2026 fand die 12. Sitzung des IMO-Unterausschusses für Human Element, Training and Watchkeeping (HTW 12) statt. Das DMZ war in einer Arbeitsgruppe zu alternativen Kraftstoffen als Teil der deutschen Delegation beteiligt.
18.03.2026
Kapt. Runa Hornig Jörgens

Kapt. Runa Hornig Jörgens

Leiterin Themen und Projekte

Telefon: +49 40 9999 698 – 71
E-Mail: Joergens[at]dmz-maritim.de

Der Unterausschuss erarbeitete zwei Entwürfe für vorläufige Ausbildungsrichtlinien: einen für Seeleute auf Schiffen, die Methyl-/Ethylalkohol als Kraftstoff verwenden, und einen für Seeleute auf Schiffen, die Ammoniak als Kraftstoff nutzen. Dies stellt einen wichtigen Schritt zur Unterstützung der sicheren Einführung alternativer Energieträger und neuer Technologien dar. Zudem wurde die umfassende Überarbeitung des STCW-Übereinkommens und des Codes weiter vorangetrieben.

 

Umfassende Überprüfung des STCW-Übereinkommens und des STCW Codes

 

Das STCW-Übereinkommen und der STCW-Code legen die Mindeststandards für Ausbildung, Befähigungsnachweise und Wachdienst für Seeleute weltweit fest. Eines der vorrangigen Ziele besteht darin, weltweit eine einheitliche und konsistente Ausbildung aller Seeleute zu gewährleisten, damit sie Schiffe sicher und effizient führen können, und dabei den Faktor Mensch als Eckpfeiler der Sicherheit im Seeverkehr zu stärken.

Seit der Verabschiedung im Jahr 1978 wurde das STCW-Übereinkommen mehrfach grundlegend überarbeitet, um den sich wandelnden betrieblichen, technologischen und rechtlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Auf der 105. Sitzung des Maritime Safety Committee im April 2022 wurde beschlossen, dass der Unterausschuss HTW mit der umfassenden Überarbeitung des STCW-Übereinkommens und des Codes beauftragt wird. Diese Überarbeitung erfolgt in zwei Phasen. In Phase 1 der Überprüfung wurden Lücken identifiziert, während sich Phase 2 auf die Ausarbeitung der erforderlichen Änderungen konzentriert.

Das Ziel der Überarbeitung besteht darin, ein modernisiertes STCW-Übereinkommen und einen modernisierten STCW-Code zu schaffen. Diese sollen den technologischen Fortschritt, sich wandelnde soziale Standards sowie den menschlichen Faktor als entscheidenden Aspekt für die Sicherheit im Seeverkehr widerspiegeln.

Während der Sitzung HTW 12 wurde die Arbeit für Phase 2 strukturiert. Zu den Kernthemen gehören die Simulatorausbildung, Aktualisierungen im Bereich Search and Rescue, nicht-technische Kompetenzen und digitale Überprüfung. Die Diskussionen während der Sitzung konzentrierten sich auf Aktualisierungen von Kapitel II (Kapitän und Decksabteilung) und Kapitel III (Maschinenabteilung). Vorrangig wurden folgende Themenbereiche behandelt:

• Definition genehmigungspflichtiger Ausbildungsmaßnahmen durch die Verwaltung
• Erforderlicher Umfang der Ausbildung in astronomischer Navigation
• Möglichkeiten zur teilweisen Substitution praktischer Seefahrtzeit durch strukturierte Simulatorausbildung
• Angemessenheit der Ausbildung für Electronic Chart Display and Information System (ECDIS)
• Sicherstellung des Wissens über Ballastwassermanagement
• Anerkennung neuer Lehr- und Ausbildungsmethoden im STCW
• Berücksichtigung aktueller Aspekte des kulturellen Bewusstseins, der psychischen Gesundheit und der Kommunikationsweisen im Führungsverständnis
• Ausreichende Kompetenzen im Bereich Instandhaltung
• Aktualisierung der Kompetenzen im Bereich „neue Kraftstoffe“
• Erforderliche digitale Kompetenzen

Die Arbeiten werden in einer Sitzung der Arbeitsgruppe HTW zwischen den Tagungen im März 2026 weitergeführt.

 

STCW-Überwachungs- und Überprüfungsverfahren

 

Zudem wurde an der Verbesserung und Integration des STCW-Überwachungssystems und des IMO-Auditprogramms für Mitgliedstaaten (IMSAS) gearbeitet. Folgende Punkte wurden geprüft:

• die Rolle von Sachverständigen/STCW-Expert*innen innerhalb des IMSAS-Auditteams,
• die Verbesserung der Wirksamkeit und Robustheit der sogenannten „White List“, einschließlich der Verknüpfung von STCW-bezogenen Feststellungen, sowie
• die Angleichung der Berichterstattung im Rahmen von STCW und IMSAS.

Eine Korrespondenzgruppe wird die Arbeiten bis zur HTW 13-Sitzung im Jahr 2027 fortsetzen.

 

Neue Technologien und alternative Kraftstoffe

 

Der Ausschuss für die Sicherheit im Seeverkehr (MSC) hat potenzielle alternative Kraftstoffe und neue Technologien zur Unterstützung der Reduzierung von Treibhausgasemissionen (THG) von Schiffen unter Sicherheitsgesichtspunkten geprüft und Sicherheitshindernisse, Barrieren und Lücken in den aktuellen IMO-Instrumenten identifiziert, die deren Einsatz behindern könnten. Entsprechende Empfehlungen zur Unterstützung der möglichen sicheren Nutzung dieser neuen Kraftstoffe und Technologien wurden den zuständigen Unterausschüssen zugewiesen.

Die HTW 12 befasste sich mit den Empfehlungen aus der Sitzung MSC 110 und erarbeitete einen Arbeitsplan für die Entwicklung von Ausbildungsvorschriften für Seeleute auf Schiffen, die alternative Kraftstoffe und neue Technologien nutzen, aufbauend auf den bereits vom Unterausschuss HTW eingeleiteten Arbeiten. Der Plan umfasst die Ausarbeitung vorläufiger Leitlinien für die Ausbildung von Seeleuten auf Schiffen, die mit Methyl-/Ethylalkoholen (abgeschlossen in der Sitzung HTW 12), Ammoniak (abgeschlossen in der Sitzung HTW 12), Wasserstoff-Brennstoffzellen, Flüssiggas (LPG), Wasserstoff, Batterieantrieb sowie Windantriebssystemen bzw. windunterstützter Antriebskraft betrieben werden. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis 2029 fortgesetzt, parallel zum technischen Fortschritt in anderen Unterausschüssen.

Allgemeine vorläufige Leitlinien für die Ausbildung von Seeleuten auf Schiffen, die alternative Kraftstoffe und neue Technologien zur Unterstützung der Verringerung der Treibhausgas-Emissionen der internationalen Schifffahrt nutzen (STCW.7/Circ.25), wurden 2025 vom MSC 110 genehmigt. Geplant ist, die allgemeinen vorläufigen Leitlinien durch spezifische Leitlinien für jeden Kraftstoff bzw. jede Technologie zu ergänzen.

In der Sitzung HTW 12 wurde der Entwurf neuer vorläufiger Leitlinien für die Ausbildung von Seeleuten auf Schiffen, die Methyl-/Ethylalkohol als Kraftstoff verwenden, sowie der Entwurf vorläufiger Leitlinien für die Ausbildung von Seeleuten auf Schiffen, die Ammoniak als Kraftstoff verwenden, fertiggestellt. Diese Leitlinienentwürfe werden dem Maritimen Sicherheitsausschuss (MSC 111 Mai 2026) zur Genehmigung vorgelegt.

Eine Korrespondenzgruppe wird die Arbeit an kraftstoffspezifischen vorläufigen Leitlinien für weitere alternative Kraftstoffe und neue Technologien bis zur HTW 13 im Jahr 2027 vorantreiben.

 

Fatigue sowie Arbeits- und Ruhezeiten von Seeleuten

 

Da Ermüdung (Fatigue) nach wie vor ein weit verbreitetes Problem in der Schifffahrt darstellt, wurden auf der Sitzung Maßnahmen besprochen, um die Wirksamkeit der geltenden Vorschriften zu Arbeits- und Ruhezeiten zu prüfen. Dazu wurde eine vorläufige Liste von Dokumenten erstellt, die zum Verständnis der Probleme und Bedenken hinsichtlich der Ermüdung von Seeleuten sowie der Arbeits- und Ruhezeiten beitragen können. Diese dient als Wissensgrundlage für die weitere Prüfung der Ursachen von Ermüdung und der Wirksamkeit des derzeitigen Regelwerks.

Eine Korrespondenzgruppe wird die Arbeit bis zur HTW 13 im Jahr 2027 vorantreiben.

 

Modell-Schulungskurse

 

Folgende Modellkurse wurden vom Unterausschuss finalisiert:

• 1.21 zur persönlichen Sicherheit und sozialen Verantwortung
• 1.37 zum Simulator für die Handhabung von Ladung und Ballast auf Chemietankern
• 2.06 zum Simulator für die Ladungs- und Ballastbehandlung auf Öltankern

Im Modellkurs 1.21 wurde die aktualisierte Kompetenz bezüglich des „Beitrags zur Prävention von und Reaktion auf Gewalt und Belästigung, einschließlich sexueller Belästigung, Mobbing und sexueller Übergriffe“ umgesetzt. Diese Kompetenz ist Bestandteil aller neuen Grundsicherheitskurse.

Bei den Tanker-Kursen (1.37 und 2.06) wurden Überschneidungen mit anderen Modellkursen festgestellt. Diese sollten in künftige Überarbeitungen integriert werden.

 

Einordnung

 

Da HTW ein Unterausschuss ist, unterliegen alle Entscheidungen bezüglich Regeln, Vorschriften und Terminen der weiteren Prüfung und Genehmigung durch den Ausschuss für die Sicherheit im Seeverkehr (MSC) und den Ausschuss für den Schutz der Meeresumwelt (MEPC), soweit relevant. Die finalen Beschlüsse unterliegen der Genehmigung durch das Maritime Safety Committee (MSC 111) im Mai 2026.

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