Ein einfaches, dunkelblaues Lupensymbol auf einem hellgrauen Hintergrund.
Ein einfaches, dunkelblaues Lupensymbol auf einem hellgrauen Hintergrund.

Projekt: Übergangsbestimmungen in ES-TRIN für Binnenfahrgastschiffe

Die technischen Vorschriften für Binnenschiffe entwickeln sich kontinuierlich weiter. Die Anwendung neuer Anforderungen auf bestehende Fahrgastschiffe stellt Betreibende jedoch häufig vor technische oder wirtschaftliche Herausforderungen. Ziel des DMZ-Projekts ist die Entwicklung eines praxisorientierten Leitfadens, der bei der Umsetzung der Übergangsbestimmungen unterstützt.
25.03.2026

Der Europäische Standard der Technischen Vorschriften für Binnenschiffe (ES-TRIN) bildet die verbindliche technische Grundlage für Bau, Ausrüstung und Zertifizierung von Binnenschiffen in der Europäischen Union [1]. Seit der erstmaligen Veröffentlichung im Jahr 2015 wird die Vorschrift regelmäßig erweitert, um neue sicherheitstechnische Erkenntnisse, technische Entwicklungen und praktische Erfahrungen zu berücksichtigen. Ziel ist ein hohes, europaweit einheitliches Sicherheitsniveau in der gesamten Binnenschifffahrt [2].

 

Mit jeder Fortschreibung des ES-TRIN werden die Betreibenden bestehender Fahrgastschiffe vor neue Anforderungen gestellt. Übergangsbestimmungen regeln, unter welchen Bedingungen neue Anforderungen auf die bestehende Flotte angewendet werden. Die Regelungen sind komplex, historisch gewachsen und teilweise schwer zu überblicken. Insbesondere bei älteren Schiffskonstruktionen führen technische Vorgaben aufgrund baulicher Grenzen zu Konflikten oder können für erhebliche wirtschaftliche Belastungen sorgen.

 

Systematische Analyse zur Entlastung der Praxis

 

Hier setzt das Projekt des DMZ an, das vom DST – Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme e.V. sowie von der österreichischen Kanzlei Dipl.-Ing. Richard Anzböck unterstützt wird. Das Ziel ist eine fundierte Prüfung der Übergangsbestimmungen, bei der technische oder wirtschaftliche Herausforderungen und mögliche systematische Unschärfen im Regelwerk identifiziert werden sollen. Dabei werden die verschiedenen Perspektiven auf die Umsetzung der Vorschriften bewertet: Während auf europäischer Ebene ein einheitlich hohes Sicherheitsniveau angestrebt wird, sind die nationalen Behörden für die rechtssichere Anwendung im Einzelfall verantwortlich, und die Betreibenden müssen technische Umsetzbarkeit sowie wirtschaftliche Tragfähigkeit sicherstellen.

 

Auf dieser Grundlage wird ein praxisorientierter Leitfaden für bestehende Fahrgastschiffe entwickelt, der die Anwendung der Vorschriften erleichtert. Der Leitfaden soll darüber hinaus dazu beitragen, Entscheidungsprozesse nachvollziehbarer zu gestalten und den administrativen Aufwand bei Einzelfallprüfungen – etwa im Rahmen von Härtefallanträgen – zu reduzieren. Diese ermöglichen unter bestimmten Voraussetzungen Abweichungen vom ES-TRIN, erfordern jedoch eine fundierte technische oder wirtschaftliche Bewertung durch Behörden und Antragstellende [3]. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur praktischen Anwendung des ES-TRIN.

Überblick

Ein einfaches, weißes Kompass-Symbol mit einer rautenförmigen Nadel ist auf einem runden, einfarbigen terrakottafarbenen Hintergrund zentriert.

Handlungsfelder

Im Hinblick auf die Handlungsfelder des DMZ adressiert das Projekt primär den Bereich der Wettbewerbsfähigkeit.

Ein weißes Flaggensymbol an einer vertikalen Stange, nach rechts wehend, zentriert in einem kreisförmigen, gedämpften orangefarbenen Hintergrund.

Ziele

Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines praxisorientierten Leitfadens zur Umsetzung der ES-TRIN-Übergangsbestimmungen für bestehende Binnenschiff-Fahrgastschiffe. Der Leitfaden soll technische und wirtschaftliche Herausforderungen identifizieren und Entscheidungsprozesse vereinfachen.

Weißer Umriss von zwei sich zustimmend schüttelnden Händen, zentriert auf einem soliden orangefarbenen Hintergrund.

Partner*innen

Das Projekt findet in Kooperation mit dem DST – Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme e.V. sowie der österreichischen Kanzlei Dipl.-Ing. Richard Anzböck statt.

Hintergrund

Hintergrund und Entwicklung des ES-TRIN

Der Europäische Standard der Technischen Vorschriften für Binnenschiffe (ES-TRIN) ist ein europaweit harmonisierter technischer Standard für den Bau und die Ausrüstung von Binnenschiffen. Er wird vom Europäischen Ausschuss zur Ausarbeitung von Standards im Bereich der Binnenschifffahrt (CESNI) erarbeitet [4].

Seit der erstmaligen Veröffentlichung 2015 wird der ES-TRIN regelmäßig fortgeschrieben, um technische Entwicklungen, neue sicherheitstechnische Erkenntnisse und praktische Erfahrungen aus dem Schiffsbetrieb zu berücksichtigen. Übergangsbestimmungen regeln dabei, unter welchen Bedingungen neue technische Anforderungen schrittweise auf die bestehende Flotte anzuwenden sind [5].

Durch die Richtlinie (EU) 2016/1629 wird der ES-TRIN in europäisches und nationales Recht eingebunden und bildet so die verbindliche technische Referenz für die Erteilung von Schiffszeugnissen innerhalb der Europäischen Union [6].

Die Herausforderung: Komplexe Anforderungen für Bestandsschiffe

Bei älteren Fahrgastschiffen stellen einzelne technische Anforderungen des ES-TRIN besondere Herausforderungen dar. Bauliche Gegebenheiten können dazu führen, dass Anforderungen nicht vollständig oder nur mit erheblichem konstruktivem und monetärem Aufwand umgesetzt werden können.

Die Übergangsbestimmungen wurden über mehrere Jahre hinweg weiterentwickelt und sind in ihrer Gesamtheit zunehmend schwer zu überblicken. Für Betreibende ist es oftmals herausfordernd nachzuvollziehen, welche Anforderungen in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt zur Anwendung kommen.

Sofern die Umsetzung einzelner technischer Anforderungen aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht möglich oder unverhältnismäßig ist, können Betreibende sogenannte Härtefallanträge stellen. Die Prüfung solcher Anträge ist regelmäßig mit einem erhöhten administrativen Aufwand verbunden und erfordert eine fundierte fachliche Bewertung der jeweiligen technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Drei Perspektiven im Spannungsfeld

Die Umsetzung der Vorschriften wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, zwischen denen ein sachgerechter Ausgleich erforderlich ist.

Europäische Ebene: Sicherstellung eines einheitlichen und hohen Sicherheitsniveaus in der Binnenschifffahrt. Die technischen Anforderungen basieren auf sicherheitstechnischen Erkenntnissen und sollen Risiken für Fahrgäste, Besatzungen und die Umwelt reduzieren.

Nationale Behörden: Verantwortlich für die rechtssichere Anwendung des ES-TRIN als verbindlicher technischer Standard. Sie müssen einerseits die Einhaltung des geltenden Rechts sicherstellen und andererseits sachgerechte Einzelfallentscheidungen treffen.

Betreibende: Müssen technische Umsetzbarkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit der Anforderungen bei ihren bestehenden Fahrgastschiffen berücksichtigen.

Projektziel und angestrebte Wirkung

Der zu entwickelnde Leitfaden soll:

  • Die Anwendung der Übergangsbestimmungen transparenter machen
  • Eine strukturierte Grundlage für technische und wirtschaftliche Bewertungen schaffen
  • Entscheidungsprozesse nachvollziehbarer gestalten
  • Den administrativen Aufwand bei Einzelfallprüfungen und Härtefallanträgen reduzieren
  • Wiederkehrende Fragestellungen und potenzielle systemische Unschärfen im Regelwerk identifizieren

Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur praktischen Anwendung des ES-TRIN und schafft Mehrwert für alle beteiligten Akteure.

Projektzahlen

Insgesamt sind in der deutschen Flotte 983 Fahrgastschiffe in Betrieb. Darunter sind 808 Tagesausflugsschiffe, 51 Kabinenschiffe und 124 Fahrgastschiffe auf geschlossenen Gewässern [7].

Das durchschnittliche Alter der Fahrgastschiffe in der deutschen Flotte beträgt 49,1 Jahre [8].

Ansprechpartner*innen

 

Sie haben Fragen oder Anregungen zum Projekt? Kontaktieren Sie uns:

Kapt. Runa Hornig Jörgens

Kapt. Runa Hornig Jörgens

Leiterin Themen und Projekte

Telefon: +49 40 9999 698 – 71
E-Mail: Joergens[at]dmz-maritim.de

Gyde Andresen-Paulsen

Gyde Andresen-Paulsen

Referentin für Schiffbau und Meerestechnik

Telefon: +49 40 9999 698 – 77
E-Mail: Andresen-paulsen[at]dmz-maritim.de

Helene Lünser

Helene Lünser

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Telefon: +49 40 9999 698 – 87
E-Mail: Luenser[at]dmz-maritim.de

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